Künstlerisches Verständnis der
Dekoration
TEMPL: Malerische Dekoration - gegenwärtige lyrische Evokation des jüdischen Lebens
Der neu restaurierte und wieder belebte Komplex der ursprünglich jüdischen Gebäude im eigentlichen Herzen der ehemaligen Mikulover jüdischen Gemeinde wurde Ende des Jahres 2005 in Betrieb genommen. SEINE MALERISCHE DEKORATION IST DIE AUSGANGSSTELLE EINES MALERISCHEN GEDICHTES, DAS SICH IN DER ZEIT, IN DER SICH DER BESUCHER IN DEN EINZELNEN RÄUMEN BEWEGT, ABSPIELT. EIN GEDICHT, DAS MAN VON VERSCHIEDENEN SEITEN UND BLICKWINKELN LESEN KANN, IN DEM SIE BLEIBEN UND VERWEILEN.
Die Quelle dieser künstlerischen Arbeit, des Bildes, das sich sukzessiv und kontinuierlich in den einzelnen Etagen übereinander legt, sprudeln aus dem Raum selbst und aus seiner unendlichen inspirativen, bunten und bewegten Geschichte: aus der jüdischen Tradition und aus dem Leben der jüdischen Gemeinde, wie es in unserer gemeinsamen Umgebung bis zur schicksalhaften und aufgewühlten geschichtlichen Wende koexistiert hat.
Die einzelne Verarbeitung der Wandmalereien wird nicht durch eine ‚Wörtlichkeit der Ähnlichkeit' oder durch ‚Ausschmückung' des magischen Raumes begrenzt, sie arbeitet mit Andeutungen, überraschenden Verbindungen, sie gebraucht Verspieltheit und Durchblicke, die sich den Besuchern anbieten und sein wanderndes Auge führen.
Die Skala künstlerischer Mittel reicht von dunkelleuchtender von der galizischen inspirierten Malerei, die die Elemente der italienischen Renaissance mit Volksausdruck und jüdischer Symbolik vermischt, über Fragmente von leuchtender Farbigkeit bis zur graphischen Verarbeitung der Motive, die im Fühlen und in der Ausführung durchaus zeitgenössisch sind. Absichtlich meidet man hebräische Aufschriften und Textzonen, Chaos und Anhäufung von Dekor. Man lässt im Gegenteil luftige Kompositionen, die Stile verschiedener Epochen, verschiedene Materialien und Techniken kombinieren, entstehen: in der einzelnen malerischen und graphischen Verarbeitung trifft sich die Evokation des Imperialstils und Barock, Biedermeier und Renaissance mit architektonischem Plan oder heutiger Fotografie.
Die Quellen der Inspiration entspringen nicht nur dem jüdischen Leben und Kultur, sondern auch ihrem Zusammenleben und Akzeptanz durch den Menschen von heute. Die Dekoration selbst ahmt nicht das Unnachahmliche nach - sie ist kein ‚Freilichtmuseum jüdischer Kultur'. Sie leugnet und bestreitet nicht, dass sie im Jahre 5766 - also im Jahre der 2005 der christlichen Zeitrechnung entstanden ist. Es geht in unseren geographischen Breiten um einen bisher einzigartigen Versuch um die Rezeption des Judentums durch einen Künstler nicht jüdichen Ursprungs, dem zeitgenössischen Maler und Graphiker Vítek Ondráček. Er ist der ‚Abglanz des Abglanzes', eine Rückblende in den historischen Raum.




